Starkes Signal für LGBTIQ* – Alle Top 10 KandidatInnen der FDP unterzeichnen Versprechen an ILGA Europe

Alle 10 Top-Kandidatinnen und -Kandidaten der FDP haben das Versprechen („Pledge“) von ILGA Europe unterzeichnet.

Die europäische LSBTI-Organisation hatte alle Europakandidaten gebeten, sich zu einer Reihe von Forderungen zu bekennen. Sie reichen vom der Einbeziehung von Homophobie in die Antidiskriminierungsrichtlinien über den Schutz von LSBTI-Asylbewerber/innen bis hin zu einem konsequenten Engagement für LSBTI in der Menschenrechtspolitik der EU.

“Die Unterschrift aller der TOP-10-Bewerber/innen ist ein starkes Signal für den künftigen Einsatz der FDP im Europaparlament“, so Michael Kauch, Bundesvorsitzender der Liberalen Schwulen und Lesben. „Neben den gut platzierten schwulen Kandidaten haben wir engagierte Straight Allies für die Bürger- und Menschenrechte von Lesben, Schwulen, Bi-, Trans- und Intersexuellen.”

Bei der Europawahl am 26. Mai kandidieren vier schwule Kandidaten auf den ersten 16 Listenplätzen: Moritz Körner (Platz 4), Michael Kauch (Platz 8), Carl Grouwet (Platz 12) und Helmer Krane (Platz 16). Für jeden Platz benötigt man etwa einen Prozentpunkt bundesweiter Stimmen für die FDP. Also zum Beispiel für Platz 8 etwa 8 Prozent der Stimmen im Bund.

Denk‘ mal darüber nach!

„Denk mal darüber nach: Auch Homosexuelle fielen dem NS-Regime zum Opfer – eine allzu häufig übersehene Opfergruppe!“

Gestern (03.04.2019) wurde das im Rahmen des Roze Zaterdag Venlo-Krefeld von den Schülerinnen und Schülern des Kunstkurses des Abiturjahrganges am Gymnasium Fabritianum in Krefeld erstellte Denkmal in Gedenken an die Leiden homosexueller Opfer während des Holocaust offiziell vorgestellt.

Es zeigt einen Mann, mit auf der Brust prangenden Rosa Winkel, welcher aus den Umrissen der Länder Niederlande, Niedersachsen und NRW herausbricht.

v.l.n.r Schulleiter des Gymnasium Fabritianum Herr Eric Mühle, Bürgermeisterin Karin Meincke (CDU), ein Vertreter der Stadt Venlo sowie die Schülerinnen und Schüler des Kunstkurses

„Den Schülerinnen und Schülern des Kunstkurses sowie allen weiteren Beteiligten gebührt großer Dank und Anerkennung dafür, dass sie sich mit der leidvollen Geschichte von Homosexuellen während der NS-Zeit befasst und schlussendlich dieses Denkmal erstellt haben.

Junge Homosexuelle leben heute nämlich in einer weitestgehend friedlichen Zeit, Paragraphen wie der 175 StGB, welcher homosexuelle Handlungen unter Strafe stellte, gehören der Geschichte an.

Wir müssen somit dankbar sein für das, was durch den jahrelangen Kampf etlicher Gruppen und Einzelpersonen für die Rechte vom Homosexuellen bis jetzt erreicht wurde.

Und um zu verstehen, wie schwer dieser Kampf war, gehört auch eine Auseinandersetzung mit der Vergangenheit. Letztere zeigt uns, wozu es heute niemals mehr kommen darf“

so der stellvertretende Vorsitzende der Liberalen Schwulen und Lesben – NRW, Dominik Korthaus, welcher für LiSL bei der Veranstaltung dabei war.

Das von den Schülerinnen und Schülern erstellte Denkmal

Die Gesamtzahl schwuler Männer, welche in der Zeit des Nationalsozialismus in Konzentrationslager verschleppt, gequält und ermordet wurde, wird heute mit etwa 10.000 angegeben. Die Todesrate betrug ungefähr 50-60%.

Die Verfolgung von Homosexuellen zu Zeiten des Nationalsozialsimus ist jedoch leider bis heute kaum präsent und so wird z.B. auch bei der offiziellen und jährlich stattfindenden Gedenkfeier im Bundestag nicht der Homosexuellen gedacht.

Die Liberalen Schwulen und Lesben – NRW setzen sich somit für eine weitere Aufklärung über die Geschichte von verfolgten Homosexuellen während der NS-Zeit ein und bewahren den Opfern stets ein würdiges Gedenken.

Vorstellung der neuen Landesvorsitzenden und des Vorstandes

Die liberalen Schwulen und Lesben NRW haben sich am vergangenen Wochenende zur ersten konstituierenden Sitzung des am 14. Dezember neu gewählten Landesvorstands getroffen.
Neue Landesvorsitzende der liberalen Schwulen und Lesben, kurz LisL, ist die Bielefelderin Sabine Bauckhage:“In diesem Jahr feiern wir 50 Jahre nach Stonewall. In dieser Zeit ist viel passiert,
so haben wir mittlerweile die „Ehe für Alle“ und auch die Anerkennung des Dritten Geschlechts (wenn auch nur durch ein ärtzliches Attest).

Jedoch zeigen die Diskussionen in den letzten Tagen im Hinblick auf die Holocaust Gedenkfeier, dass die historische Aufarbeitung noch lange nicht abgeschlossen ist.
Wir sollten denjenigen, die sich vor uns für LGBTI* einsetzten,danken und ihre Opfer würdigen.“

In einem Europa-Wahljahr zeigt sich zudem, dass unsere Rechte nicht nur ausserhalb der EU,sondern auch innerhalb der EU nicht überall die gleichen Gleichgeschlechtliche Ehen
werden bespielsweise nicht überall anerkannt. Wenn man die internationalen Vergleiche ansieht, zeigt sich zudem, dass Deutschland auch innerhalb der EU nicht führend in LGBTI*
Angelegenheiten ist.

So werden beispielsweise Praktiken wie die „Homo-Heilung“ in Deutschland nach wie vor erlaubt.
Auch gibt es sowohl innerhalb Deutschlands, innerhalb der EU und auch international einen wachsenden Populismus, welcher unsere liberalen Lebensweisen in Frage stellt. Laut Bauckhage, die Mitglied des Landesfachausschusses der FDP für „Offene Gesellschaft
und Diversity“ ist, betreffen die gesellschaftlichen Aufgaben der Integration uns alle, und somit auch LGBTI. Neben diesen Aufgaben gilt es auch LGBTI Themen im gesamten Bundesland anzugehen.
Wir sollten nicht nur in einigen wenigen Städten in NRW präsent sein, sondern überall in NRW.

Bauckhage, die auch Mitglied bei den Liberalen Frauen ist, liegt viel an einer Zusammenarbeit, auch mit den anderen Vorfeldorganisationen der FDP in NRW.
Zudem ist sie ein aktives Mitglied der FDP Bielefeld und wird diese bei den Europawahlen im Mai unterstützen.

Unterstützt wird Bauckhage durch den stellvertretenden Vorsitzenden Manuel Lascasas und den Beisitzern Kathy Heemann, Julian Kull und Hendrik Roth.

v.l.n.r. – Manuel Lascasas ; Kathy Heemann ; Hendrik Roth ; Julian Kull ; Sabine Bauckhage

Unfreiwilliges HIV Outing durch dritte und dessen Konsequenzen: So reagiert die AIDS-Hilfe Paderborn

In Paderborn sind der HIV-positiv infizierte Frank W. und sein Ehemann am Arbeitsplatz durch das Amtsgericht unfreiwillig geoutet worden.

Ein Outing des Betroffenen sollte immer von der Person selbst kommen, findet die Sozialarbeiterin Lena Arndt. Vor allem aber sollte die erkrankte Person selbst entscheiden, wem sie sich in dieser Situation anvertraut, schließlich ist man nicht mit all seinen Kollegen am Arbeitsplatz befreundet oder vertraut.

Zudem kann ein unfreiwilliges Outing  langfristige psychische Schäden bei der oder dem Betroffenen auslösen.

Das Hauptproblem, mit welchem viele Betroffene zu kämpfen haben, sind nach wie vor die Vorurteile, die in der heutigen Gesellschaft immer noch omnipräsent sind. Dies allerdings ist auf den Umstand zurückzuführen, dass die Gesellschaft  nicht genügend sensibilisiert ist, um offen mit dem Thema umgehen zu können. HIV und AIDS sind nach wie vor ein Tabuthema, welches man stillschweigend unter den Teppich kehrt.

Trotz der vielen medizinischen Fortschritte halten sich diverse Klischees hartnäckig, welche eine tolerantere oder offenere Einstellung in Bezug auf die Thematik fast unmöglich machen.

Frau Arndt zeigt an mehreren Beispielen auf, wie heikel das Thema der Infizierung bis heute ist. Sie berichtet von einer HIV-positiven Mutter, welche nach ihrem Outing an den Rand der Gesellschaft gestoßen wurde. Ihr Kind wurde gemieden, ausgelacht und zu keinem Kindergeburtstag eingeladen. Die Betroffene musste deswegen sogar umziehen, weil der psychische Druck zu groß wurde.

In anderen Fällen wollten die Kollegen nicht mehr aus der selben Tasse trinken, aus Angst sich zu infizieren.

Zuweilen kann das Outing ein Befreiungsschlag sein. Im Regelfall allerdings erzählen die Betroffenen von einer Distanzierung und einer sozialen Isolierung durch Dritte.

Es ist ganz natürlich, dass im Falle eines Outings Fragen aufkommen, allerdings muss man sich sachkundig informieren, anstelle die betroffene Person zu meiden und zu isolieren.

Der Vorfall zeigt klar auf, dass AIDS und HIV nach wie vor ein heikles, gesellschaftliches Thema sind, bedingt durch mangelnde oder falsche Aufklärung seitens der Bildungseinrichtungen oder auch des Umfeldes. Es besteht dringender Handlungsbedarf und alle sind dazu angehalten, toleranter und offener miteinander umzugehen.(KH)

Ehe für Alle

Bezüglich10450300_482423655236665_1165050696869314522_o der zu erwartenden Enthaltung des Bundeslandes NRW bei der Abstimmung zur „Ehe für Alle” im Bundesrat erklärt der Landesvorsitzende von LiSL NRW Sven Görgens.

„Die angekündigte Enthaltung NRWs im Bundesrat, die sich aus dem Nein der CDU und dem Ja der FDP ergibt, nehmen wir mit Bedauern zur Kenntnis. Wir hätten uns gewünscht, dass die CDU hier die gesellschaftliche Realität erkennt und ihre Widerstände aufgibt. Wer jetzt allerdings der FDP Wortbruch vorwirft, der scheint in der Debatte der letzten Wochen nicht hingehört zu haben. Der Vorschlag des Parteivorsitzenden Christian Lindner, die Ehe für alle als Bedingung für eine Koalition zu formulieren, war zwar der letzte Punkt in einem Mosaik, dass die Abstimmung im Deutschen Bundestag angestoßen hat, aber sie bezog sich eben auf die Bundesebene und ist in Parteigremien noch gar nicht abgestimmt worden.
Allerdings wird etwas aus dieser Situation deutlich. Die Ehe für Alle und deren Bestandsgarantie muss auch weiterhin eine Bedingung für eine Koalition im Bund sein. Die FDP darf nur dann in eine Koalition eintreten, wenn schriftlich vereinbart wird, dass an diesem Thema nicht mehr gerüttelt wird!”