Unfreiwilliges HIV Outing durch dritte und dessen Konsequenzen: So reagiert die AIDS-Hilfe Paderborn

In Paderborn sind der HIV-positiv infizierte Frank W. und sein Ehemann am Arbeitsplatz durch das Amtsgericht unfreiwillig geoutet worden.

Ein Outing des Betroffenen sollte immer von der Person selbst kommen, findet die Sozialarbeiterin Lena Arndt. Vor allem aber sollte die erkrankte Person selbst entscheiden, wem sie sich in dieser Situation anvertraut, schließlich ist man nicht mit all seinen Kollegen am Arbeitsplatz befreundet oder vertraut.

Zudem kann ein unfreiwilliges Outing  langfristige psychische Schäden bei der oder dem Betroffenen auslösen.

Das Hauptproblem, mit welchem viele Betroffene zu kämpfen haben, sind nach wie vor die Vorurteile, die in der heutigen Gesellschaft immer noch omnipräsent sind. Dies allerdings ist auf den Umstand zurückzuführen, dass die Gesellschaft  nicht genügend sensibilisiert ist, um offen mit dem Thema umgehen zu können. HIV und AIDS sind nach wie vor ein Tabuthema, welches man stillschweigend unter den Teppich kehrt.

Trotz der vielen medizinischen Fortschritte halten sich diverse Klischees hartnäckig, welche eine tolerantere oder offenere Einstellung in Bezug auf die Thematik fast unmöglich machen.

Frau Arndt zeigt an mehreren Beispielen auf, wie heikel das Thema der Infizierung bis heute ist. Sie berichtet von einer HIV-positiven Mutter, welche nach ihrem Outing an den Rand der Gesellschaft gestoßen wurde. Ihr Kind wurde gemieden, ausgelacht und zu keinem Kindergeburtstag eingeladen. Die Betroffene musste deswegen sogar umziehen, weil der psychische Druck zu groß wurde.

In anderen Fällen wollten die Kollegen nicht mehr aus der selben Tasse trinken, aus Angst sich zu infizieren.

Zuweilen kann das Outing ein Befreiungsschlag sein. Im Regelfall allerdings erzählen die Betroffenen von einer Distanzierung und einer sozialen Isolierung durch Dritte.

Es ist ganz natürlich, dass im Falle eines Outings Fragen aufkommen, allerdings muss man sich sachkundig informieren, anstelle die betroffene Person zu meiden und zu isolieren.

Der Vorfall zeigt klar auf, dass AIDS und HIV nach wie vor ein heikles, gesellschaftliches Thema sind, bedingt durch mangelnde oder falsche Aufklärung seitens der Bildungseinrichtungen oder auch des Umfeldes. Es besteht dringender Handlungsbedarf und alle sind dazu angehalten, toleranter und offener miteinander umzugehen.(KH)